Alter Feuerwehr Bus unter dem Hammer

Pünktlich mit dem ersten Glockenschlag des Mittagsläuten begann die Versteigerung des ausgemusterten VW-Busses der Freiwilligen Feuerwehr Schongau. Der letzte Schlag war gleichzeitig der Zuschlag für den einzigen Bieter.

Unzählige Anfragen per Telefon und E-Mail erreichten in den letzten Monaten die Floriansjünger, es schien, als wolle jeder den T3 haben, der jahrelang brav seinen Dienst als mobile Werkzeugkiste bei den Schongauern verrichtet hatte. Doch als es jetzt ernst wurde, und der Bus unter den Hammer kam, war das Interesse gar nicht mehr so groß.

„Ich hab schon vier oder fünf VW-Busse gehabt, und jetzt hätte ich gern wieder einen, zum Basteln und Rumschrauben am Wochenende“, bekundete ein junger Autoverkäufer aus der Nähe von Weilheim sein anfängliches Interesse. Mit geschultem Blick begutachtete er das Fahrzeug von unten, von innen, klopfte hier und dort, und befand den Gesamtzustand für gut. „Bis auf den Lack, der müsste komplett neu gemacht werden.“ Alles wieder im Lack wäre auch für den zweiten Interessenten aus Schongau, wenn sein Sohn endlich einen eigenen Bus hätte, und „nicht immer meinen T4 ausleihen würde – dann wäre endlich Ruhe“, meinte er mit einem Augenzwinkern. Denn dieser sei ein begeisterter Radfahrer und könnte den Transporter ideal für seine Zwecken um- und ausrüsten. Etwas Ähnliches, „aber noch nichts Genaues“ hatte sich der dritte Interessent vorgestellt, der sich während der Besichtigung ruhig im Hintergrund hielt. „Mir gefallen einfach Oldtimer“, erklärte er schlicht sein Erscheinen.

Zwei potenzielle Bieter verabschiedeten sich bereits vor der eigentlichen Versteigerung, da der T3 „kein Syncro“ sei, also keinen Allradantrieb habe. „Und da er noch nicht über 30 Jahre alt ist, kann ich ihn auch nicht an die Szene in Israel verkaufen“, erklärte der passionierte VW-Liebhaber aus Herzogsägmühle, der selbst sechs Busse besitzt und Freunde aus Israel im Schlepptau hatte, die er bei der letzten Bustour kennengelernt hatte.

Kurz vor der Versteigerung kamen dann noch zwei Gäste vorbei, die allerdings kein Interesse an dem Bus hatten, sondern einfach einmal einer Versteigerung beiwohnen wollten. „Schauen, wie sowas läuft.“ Sie hofften wahrscheinlich auf einen Schlagabtausch, Gefeilsche und viele Angebote, doch: Fehlanzeige. Nachdem Feuerwehr-Vorstand Daniel Mahl kurz noch einmal die technischen Daten aufführte (Baujahr 1989, aus zweiter Hand, Vorbesitzer Kreissparkasse Schongau, TÜV bis Juli, Top-Zustand), begann die Auktion mit dem Startgebot von 4000 Euro. Nach kurzem Zögern ging eine Hand hoch, die anderen Bieter stiegen sofort aus. Jetzt geht der T3 nur ein paar hundert Meter weiter, in die Lechvorstadt. Tobias Schmidt erhielt den Zuschlag, obwohl er gar nicht damit gerechnet hatte. „Ich habe erst vor einer Woche von der Versteigerung erfahren“, erklärte der zweifache Familienvater völlig überrascht. Er sei auch kein Auto-Spezialist, sondern Papiermacher, aber er mag Oldtimer. Und er hatte das Okay von seiner Frau. Und jetzt hat er einen VW-Bus. „Ich habe noch keine konkrete Vorstellung, was ich mit dem Bus mache, irgendwas wird mir schon einfallen, das muss jetzt erst einmal sacken. Hauptsache er fährt.“

Ähnlich pragmatisch sah auch Mahl den Verlauf der Versteigerung. „Ich bin zufrieden. Mit dem Erlös können wir diverse Umbaumaßnahmen am Feuerwehrhaus angreifen, wie beispielsweise eine beleuchtete Säule in der Einfahrt und ein Logo an der Fahrzeughalle“, freut er sich über die zusätzliche Geldspritze, die schneller kam, als gedacht.

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